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Windrekorde senken Stromhandelspreise drastisch - Verzögerter Netzausbau kostet Tennet und 50 Hertz 19 Mio. Euro

14.01.15

Die Stürme der vergangenen Wochen zeigen gleichzeitig das riesige Potenzial der Energiewende und welche Aufgaben noch erledigt werden müssen, damit alle Beteiligten von ihr profitieren: Erst kam im Dezember das Sturmtief  "Billie", dann im Januar die Orkane "Elon" und "Felix". Letztere haben vergangene Woche Windenergie mit 60 % zur wichtigsten Energiequelle in Deutschland gemacht und Kohle- und Atomstrom in den Schatten gestellt. Am Freitag lieferten Windräder laut Netzbetreiber TenneT 30.700 Megawatt Strom. Das entspricht der Leistung von etwa 25 Atomkraftwerken. Leider kam der Windstrom in großen Teilen gar nicht beim Verbraucher an, weil die vorhandene Nord-Süd-Stromtrasse nicht überlastet werden darf. Schlimmer noch: Weil der Windstrom "abgeregelt" werden musste, entstanden für die Netzbetreiber so genannte Redispatch-Kosten in Höhe von 19 Mio. Euro, wie TenneT und 50Hertz gegenüber der Zeitung Die Welt erklärten.

Das Überangebot an Windstrom ließ die Großhandelspreise am EPEX-Spotmarkt purzeln. Der Endverbraucher spürt davon aber zunächst leider gar nichts. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet Stromnetzbetreiber dazu, Windstrom ohne Rücksicht auf tatsächliche Nachfrage zu einem festgelegten Preis aufzukaufen und im Großhandel zu vermarkten. Die Differenz zwischen der an die Produzenten zu zahlenden Einspeisevergütung einerseits und dem Markterlös andererseits wird als EEG-Umlage auf die Stromrechnungen der Verbraucher abgewälzt. Die sinkenden Preise am Großhandelsmarkt führen derzeit also für private Verbraucher nur zu einer steigenden EEG-Umlage.

Die Vorsitzende des Industrieverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, fasst den Status Quo der Energiewende wie folgt zusammen: "Wir sind im Übergang von der ersten in die zweite Phase des Generationenprojekts Energiewende. In der ersten Phase ging es darum, den Erneuerbaren Energien den Boden zu bereiten. Das ist bei allen Problemen bislang gelungen. In der zweiten Phase werden wir aber ganz andere Herausforderungen zu bewältigen haben." Es gehe zum Beispiel um das systematische Miteinander von schwankender erneuerbarer Stromeinspeisung und den benötigten konventionellen Reservekapazitäten sowie den dafür notwendigen Netzausbau.

Zur Originalquelle (BDEW, Januar 2015)