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Ausfallarbeit

Herausforderung für Netzbetreiber:

Im Unterschied zu konventionell aus Kohle, Gas oder Atomkraft erzeugter Energie unterliegen regenerativ erzeugte Energien gewissen natürlichen Schwankungen. Die so variierende Einspeiseleistung kann unter Umständen zur Überlastung des Netzes führen. Um eine solche Situationen zu vermeiden, sind Netzbetreibern gesetzlich dazu angewiesen, Windkraft- und PV-Anlagen mit einer Leistung von über 100 KW innerhalb klar definierter Grenzen nach §11 EEG gegebenenfalls in ihrer Leistung zu drosseln oder auch vorrübergehend ganz vom Netz zu trenne. Der Netzbetreiber, in dessen Netz die Ursache dafür liegt, dass die Einspeiseleistung reduziert werden muss, ist verpflichtet, im Rahmen des Einspeisemanagements (EinsMan) Anlagenbetreiber in einem vereinbarten Umfang zu entschädigen. Bestehen keine gesonderten Vereinbarungen, sind die entgangenen Vergütungen abzüglich der ersparten Aufwendungen zu leisten. Die Entschädigungszahlungen können Anlagenbetreiber nach § 12 EEG anhand der Angaben in den Einsatzberichten zum Einspeisemanagement der Netzbetreiber ermitteln.

Dieser Katalog an eingreifenden Maßnahmen ist gesetzlich in Kraft gesetzt worden, nachdem sich bereits früh ein Missverhältnis zwischen einem beschleunigten Zuwachs bei installierten Wind- und Solarenergie-Kapazitäten einerseits und einem nur schleppendem Ausbau insbesondere von hochleistungsfähigen Übertragungsnetzen andererseits abgezeichnet hat. Weil es die Übertragung von erneuerbarem Grünstrom einschränkt erscheint EinsMan nur als Übergangslösung und nur bis zu dem Zeitraum gerechtfertigt, ab dem es im Rahmen der angestrebten Systemtransformation und des erforderlichen Netzausbaus gelingt, größtmögliche Mengen erneuerbaren Stroms zu den Verbrauchen zu übertragen. Wie schnell derzeit ein System der Verteilung von volatiler Energie ohne Rückgriff auf die Möglichkeiten einer Hochgeschwindigkeitsübertragung oder einer großvolumigen Speicherung noch an seine technischen Grenzen stößt und vermeidbare Ausfallarbeit produziert, zeigt allein die Rekord-Windernte im Dezember 2011, die um gut 60% über dem langjährigen Mittel dieses Wintermonats lag: 

Der Verteilnetzbetreiber E.ON Netz, der über eine Leitungslänge von 22.000 Kilometern und damit rund 30% der Hochspannung über die größte Flächenabdeckung in Deutschland verfügt, veröffentlicht Angaben über absolute Strommengen aufgrund von EinsMan-Einsätzen grundsätzlich nicht. Dennoch wird aus den von E.ON Netz gelieferten Zahlen deutlich, dass die EinsMan-Entschädigungen von 2010 auf 2011 um das Sechsfache gestiegen sind (von 3,2 Mio Euro auf 18 Mio Euro) obwohl sich die Stromeinspeisung bei E.On Netz 2010 auf 2011 nur von 4000 GWh auf 4800 GWh, dass heisst um ein Fünftel, erhöht hat. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht, dass die EinsMan-Entschädigungszahlungen überproportional zu der eingespeisten Energiemenge stiegen.

 

Verbraucher

Umfang der Ausfallarbeit: Bereits im außerordentlich ertragsschwachen Windjahr 2010 erreichte die nicht genutzte Windenergie in Deutschland laut einer 2011 veröffentlichten Studie des Bundesverbandes Windenergie (BWE) einen Umfang von 150 GWh  (70% mehr als in 2009). Eine Ende 2012 veröffentlichte Untersuchnung des gleichen Verbandes kam für das Jahr 2011 auf ein Ergebnis von 405 GWh nicht eingespeisten Windstroms (300% mehr als 2010). Die durch Zwangsdrosselungen und Zwangsabschaltungen entstehende Ausfallarbeit bei Windkraftanlagen wird in Deutschland noch weiter zunehmen, sofern der Ausbau hochleistungsfähiger Übertragungsnetze nicht mit dem Zuwachs bei den installierten Windkraft- und (PV-)Kapaziäten Schritt hält. Wird in den kommenden Jahren nicht konsequent in den Ausbau der Übertragungsnetze, Speicherkapazitäten oder effektives Lastmanagement investiert, droht die Ausfallarbeit im Zuge des weiteren Ausbaus von Windkraftleistung erschreckende Dimensionen zu erreichen:

Konsequenzen für die Erneuerbaren Energien: Die im Rahmen von EEG und EinsMan für Abreglungen und Stilllegungen beispielsweise von E.On Netz als größtem Einzelnetzbetreiber gezahlten Entschädigungen, die 2011 mit 18 Mio. Euro ein erst vergleichsweise geringfügiges Niveau erreichten, müssen in Zukunft um ein unvergleichlich Vielfaches höher veranschlagt werden. Dies umso mehr, wie es nicht gelingt, off- oder onshore erzeugten Windstrom per Hochgeschwindigkeit zu den Kunden zu transportieren oder (zur Glättung von Nachfrage-bzw. Angebotsspitzen) in Speichern temporär zwischenzulagern. Denn Verbraucher werden schon mittelfristig immer weniger bereit sein, die auf sie per EEG-Umlage abgewälzten Kosten des Einspeisemanagements zu tolerieren, was der Akzeptanz erneuerbarer Energien insgesamt schadet. Ihnen ist schon jetzt kaum noch zu vermitteln, warum sie auch noch für jede nicht eingespeiste Kilowattstunde, also für gar nicht produzierten Strom, bezahlen sollen, so Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler zuletzt gegenüber dem Handelsblatt.